Jugendwelten - vor, während und nach der Shoah (2007/08)

Das Projekt "Jugendwelten - vor, während und nach der Shoah" hat jungen Menschen die Möglichkeit geboten, durch die Annäherung an die Geschichten von Überlebenden der Shoah ein empathisches Verhältnis zu den Opfern des Nationalsozialismus herzustellen. Sie haben einen Einblick in die Lebenswelten der ZeitzeugInnen gewonnen, die durch Vertreibungen, Ghettoisierung und Deportation zerstört wurden, sowie eine Ahnung von den Schwierigkeiten des Überlebens und den traumatischen Spuren dieses tiefgreifenden Einschnittes für die Zeit des Weiterlebens danach. Dier Jugendlichen wirkten aktiv bei der Erarbeitung des historischen Kotextes mit, sowie bei der Konzeption und Auswahl von zukünftigen Lerninhalten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte. Von Interesse war für die Jugendlichen die Auseinandersetzung mit der Vielfältigkeit jüdischen Lebens und und den unterschiedlichen historischen nationalen Entwicklungen vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus. Sowohl durch die grenzüberschreitende Perspektive, als auch durch die Fokussierung auf die "Jugendwelten" wurde bei den Jugendlichen der Blick für die/den "Anderen" geschärft.

Wichtig war, dass die Jugendlichen ihre historischen Kenntnisse und ihr eigenes Deutungs- und Urteilsvermögen in den gesamten Prozess des Projektes - sowohl in die Erarbeitung der historischen Zeitleisten als auch in die Erstellung der Interviewleitfäden - eingebracht. "Ohne Selbsttätigkeit der Schüler in der Erarbeitung historischer Deutungen ist es ausgeschlossen, dass sie ihre Identität in der beabsichtigten diskursiv-argumentativen Weise ins Spiel der Zeitorientierung einbringen". (Rüsen, Jörn: Geschichtsdidaktische Konsequenzen aus einer erzähltheoretischen Historik. In: Quandt, Siegfried; Süßmuth; Hans [Hrsg.]: Historisches Erzählen. Göttingen 1982, S. 162).

Um tatsächlich eine Art intergenerationelles Gespräch (wenn auch vermittelt über die Interviewfragen) zu initiieren, war es nötig, dass das Ich der Jugendlichen, ihre Identität, Ausgangspunkt der Begegnung ist. Sie müssen emotional involviert sein, um sich den existenziellen tiefgehenden Erfahrungen der ZeitzeugInnen öffnen zu können.


Das Projekt wurde gefördert durch: