Zur Ausstellung "Stumme Zeugen" von Erich Hartmann

Die Photographien geben den unvergesslichen Eindruck wieder, den der Fotograf aus den Lagern mitnahm. Sie vermitteln auch heute noch, 50 Jahre später, das Gefühl der von den Nationalsozialisten ausgeübten totalen Kontrolle und totaler Macht. Man sieht und fühlt immer noch, daß die Häftlinge keine Möglichkeit hatten, sich gegen ihr Schicksal zu verteidigen oder zu schützen; daß mit nur seltenen Ausnahmen oder Zufällen es nur einen Weg aus den Lagern gab ? das unerbittliche Schicksal von Zerstörung und Tod. Hartmann dokumentiert, was unveränderbar wahr ist und bleibt: den Terror, den Schrecken, die Angst und den Wahn, der sich in den Orten des industriell organisierten Massenmords eingebrannt hat.

Erich Hartmann hat für seine Ausstellung eine Bilderfolge festgelegt, deren Beibehaltung ein absolutes Muß darstellt, um der durchdachten Wirkung der Bilder nichts zu nehmen. Diese, thematisch in fünf Räume untergliederte Ausstellung Ausstellung bildet den Kern, um den sich in peripheren Räumen der Platz für die Auseinandersetzung um Inhalte und Formen des Erinners wiederfuíndet. M. Eun und I. Weiss haben jahrelang die Geschichte von (und Geschichten über) Berliner Mahnmalen und Erinnerungsprojekten fotografisch und inhaltlich dokumentiert. Die Konzeptionen dieser Denkmale sind sehr unterschiedlich. Sie stammen aus ganz verschiedenen Epochen der Nachkriegszeit. Viele Denkmale sind öffentlich und leicht im Stadtraum zu finden. Andere entspringen privater Initiative und sind gelegentlich nur an sehr verborgenen Orten zu finden. Steine, Tafeln, Skulpturen, Installationen und andere künstlerische Gestaltungsformen verweisen auf Wohn- und Wirkungsorte vertriebener und ermordeter jüdischer Berliner, ehemalige Synagogen, jüdische Institutionen und Deportationssammellager und ? sehr selten ? auf Widerstandsaktivitäten. In aller Regel entstanden die Denkmäler erst Mitte der 80iger Jahre. Die Zeit davor war vom Schweigen über die Vernichtung von 6 Millionen europäischer Juden geprägt: meist sagt ein Denkzeichen sehr viel mehr über diejenigen aus, die gedenken als über die, derer gedacht werden soll. Die Zeichen von Verantwortung für die deutsche Geschichte und die erkennbaren Wege der Spurensuche in Berliner Häusern und Strassen soll im Rahmen dieser Ausstellung zusammengetragen werden.

Die Ausstellung beschäftigt sich also einerseits exemplarisch mit den Motiven deutscher Nichtjuden und gibt Aufschluss über deren ganz private Beweggründe und inhaltlichen Präferenzen an die Ermordung der europäischen Juden zu erinnern und stellt andererseits die offizielle, die politische Erinnerungskultur und deren Ausdrucksformen und Inhalte zur Diskussion.